Ein Blatt eines Baumes formt ein Fragezeichen

Ab wann sind viele Bäume ein Wald und warum ist das wichtig?

3 min
Pauline Vallée
Was verbindest du mit dem Wort “Wald”?
  • Paradies
  • Verbotenes Gebiet
  • Düsterkeit

Der Wald: Definition(en)

Wie viele offizielle Definitionen gibt es für den Wald?
  • Mehr als 8
  • Mehr als 80
  • Mehr als 800

Die am häufigsten verwendete ist die der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Sie stellt folgende Bedingungen:

Die Fläche muss mindestens 5000m2 betragen (= etwas kleiner als ein Fußballfeld).

Das Kronendach (= alle Baumkronen) muss mindestens 10% der Fläche ausmachen.

Die Bäume müssen mindestens 5 Meter Höhe erreichen können.

Das Gebiet darf zu keinem anderen Zweck genutzt werden (außer dem Anbau weiterer Bäume).

Die FAO schließt damit Obst- und Gemüseplantagen, Gärten und Stadtparks aus, umfasst aber Baumbepflanzungen ebenso wie “natürliche” Wälder. Eine Nadelbaumplantage kann also als Wald bezeichnet werden, wenn sie die eben genannten Kriterien erfüllt.

Nach dieser Definition gibt es in der Europäischen Union 158 Millionen Hektar Wald.

Warum ist das wichtig?

Punkt 1: Die genaue Definition, was ein Wald ist, bringt Vorteile für die Erforschung der weltweiten Waldflächen. Eine kleine Veränderung kann da große Folgen haben. Ein Beispiel → Zwischen 1995 und 2000 hat die Erde 400 Millionen Hektar Waldfläche “dazugewonnen”, weil die FAO ihre Wald-Definition unterdessen geändert hatte (viele Gebiete in Russland und Australien erfüllten die neuen Voraussetzungen).

Punkt 2: Die Definition des Waldes beeinflusst Waldrodungen und die Umweltschutzpolitik (wie den Forest Deal, den über 100 Länder unterzeichneten, um die Entwaldung zu stoppen…) Es hat also Auswirkungen auf alles, was mit Wäldern zu tun hat.

Ist die aktuelle Definition die richtige?

François-Xavier Nicot vom französischen Amt für Forstwirtschaft befürwortet die Walddefinition der FAO, da sie “sehr weitreichend” ist. Sie umfasst “die Baumflächen aller klimatischen Zonen der Welt, auch die mit Bäumen bewachsenen Savannen und die Wälder des Äquators”, erklärt er.

“Alles passt in diese Definition. Es wird nicht zwischen den Wäldern unterschieden, denn sie sind alle gleichwertig.”
- François-Xavier Nicot


Doch laut einer Studie des National Center for Biotechnology Inormation ist diese Definition “nicht dazu geeignet, die Zerstörung der Wälder zu beobachten und einzuordnen”. Es wird das Beispiel Tansania genannt → Die Wälder des Landes werden weiterhin als “Wälder” klassifiziert, obwohl bis zu 88% ihrer Bäume verschwunden sind.

Ein Grund dafür ist (wie oben genannt) die Tatsache, dass die FAO nicht zwischen natürlichen Wäldern und Baumpflanzungen unterscheidet.

Eine weitere Studie, die in 2 chinesischen Regionen durchgeführt wurde, zeigte, dass sich die Waldfläche zwar phasenweise vergrößerte, aber dass dies keine natürliche Waldentwicklung war. Die Ursache war der begonnene Anbau von Kautschukbäumen (die Bäume, die Latex produzieren).

Jean-Claude Genot, Ökologe und Mitglied des Francis-Hallé-Verbands für Primärwälder, findet einige Aspekte der FAO-Definition problematisch. Zum Beispiel die Mindestgröße: “Ein richtiger Wald ist viel größer als 5 Hektar, denn er beherbergt Tiere, die sich auf einer großen Fläche entwickeln und ausbreiten.”

Auch die Dimension des Ökosystems wird nicht berücksichtigt. “Ein Wald, das sind auch die Interaktionen der Bäume, der Tiere, der Pilze… Das ist mehr als nur ein Feld mit Bäumen.”

Was hälst du denn von der Definition?
  • Ausreichend
  • Nicht ausreichend
  • Ähm...

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🧐 Und jetzt?

  • Andere Kategorien einbeziehen → Beide Studien empfehlen eine “reichhaltigere” Definition als die der FAO… oder zumindest, dass die aktuelle zwischen natürlichen Wäldern und Baumpflanzungen unterscheidet.

    Genau das macht Global Forest Watch bereits → Eine weltweite open-source Plattform, die verschiedene Filter kreiert hat, z.B. “Waldanpflanzung”, “Primärwald” oder “Urwald”.

  • Um jeden Preis: Die Wälder schützen → Das fängt schon beim Waldspaziergang an (keine Kippen oder anderen Müll liegen lassen). Aber auch auf größerer Ebene sollte etwas getan werden:

    Importierte Produkte verbieten/besteuern, die die Waldrodung im Herstellungsland fördern.

    Weniger Fleisch/Tierprodukte konsumieren (die Viehhaltung ist eine der größten Ursachen für Waldrodung)

    Produkte auswählen, die das FSC-Siegel tragen und eine nachhaltigere Waldentwicklung garantieren (auch wenn es nicht perfekt ist).

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🔍 Was bedeutet…

Ökosystem: Begrenztes Gebiet, das bestimmte Charakteristiken hat (Klimabedingungen, Feuchtigkeit, etc.) und in dem vielfältige Organismen leben. Man spricht von einem “System”, weil die Organismen miteinander und mit ihrer Umwelt interagieren.

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👀 Quellen

UNFCCC
When is a forest a forest?
Lost in transition: Forest transition and natural forest loss in tropical China
FAO
ONF
Nature
Europäisches Parlament

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Pauline Vallée
Nachbarin von Totoro