Eine Filmkamera vor einem Wald

Green Producing: Wie nachhaltig ist die TV- und Filmindustrie?

3 min
Nils Neubert

Filme und Serien produzieren ist aufwändig. Und teuer. Wie teuer? Der Tatort ist eines der beliebtesten Serien Formate im deutschen Fernsehen, produziert von der ARD.

Wie viel CO2 wird bei der Produktion einer “Tatort”-Folge freigesetzt?
  • 10 - 20 Tonnen
  • 50 - 80 Tonnen
  • 100 - 140 Tonnen
Wodurch entsteht das meiste CO2 bei einer Filmproduktion?
  • Strom und Energie
  • Flugreisen
  • Hotelübernachtungen

Wobei außerdem viel CO2 entsteht, ist durch den “Konsum” von Filmen, und zwar beim Streaming. Durch die Energie, die dabei fließt und die Aufrechterhaltung der Server, über die die Streaming-Plattformen laufen. Und die meisten Produktionen werden heutzutage nun mal gestreamt.

Wie viel CO2 entstand beim Streaming der 3. Staffel “Stranger Things”
  • So viel wie 100 Mal von Köln nach Paris und zurück
  • So viel wie 1.000 Mal von Berlin in die Provence und zurück
  • So viel wie 30.000 Mal von Marrakesch nach Kapstadt und zurück

Bei Filmen sieht das nochmal ganz anders aus, da steigen die Kosten schnell deutlich höher. Ob jetzt ein ganzer Film oder eine einzelne Serien-Folge, neben den hohen Kosten entsteht immer auch ein hoher Ressourcenverbrauch: vor allem Strom, aber auch Abfall aus Verpackungen aller Art.

Da stellt sich auch die TV- und Filmbranche wie viele andere Branchen heutzutage die Frage: Wie können wir auch weiterhin Filme und Serien drehen - nur halt umweltfreundlicher?

“Green Motion” - das neue Label

Ab Anfang diesen Jahres gibt es in Deutschland eine Eigenverpflichtung der Medienschaffenden, nachhaltiger zu produzieren: unter dem Label “Green Motion”.

“Oh, not another label please” - das denken jetzt vielleicht einige. Und klar, manchmal dienen solchen selbstgewählten Labels dem berüchtigtem Greenwashing.

Das “Green Motion” Label wird allerdings nur nach strengen Kriterien vergeben, die gemeinsam mit Filmschaffenden, Klimforscher:innen und Umweltwissenschaftler:innen erarbeitet wurden. Filmproduktionen, die dieses Label Nutzen möchten müssen einen ganzen Katalog von Maßnahmen erfüllen:

  • Eine:n “Green Consultant" beschäftigen, eine Person also, die die Produktion von Anfang bis Ende unter ökologischen Gesichtspunkten begleitet und berät

  • Der Wechsel zu Ökostrom, in Studios, die für die Produktion genutzten werden ist dies verpflichtend. In Räumen, in denen nur zeitlich begrenzt und nach Bedarf gedreht wird allerdings nicht

  • Bei Drehs in der Natur - da sind Dieselgeneratoren um Strom zu erzeugen immer noch Standard, die erzeugen aber auch besonders hohe CO2 Werte. Also sollen sie mit besonderen Filtern ausgestattet sein und nach Möglichkeit schrittweise gegen andere Geräte, die Strom erzeugen ausgetauscht werden. Etwa: Gasgeneratoren, Hybridgeneratoren, mobile Stromspeichersysteme mit Ökostrom und Solargeneratoren

  • Die Verpflegung - ein ganz wichtiger Bestandteil jeder TV- oder Filmproduktion (klar niemand arbeitet gerne mit leerem Magen). Auf Einweggeschirr muss verzichtet werden, mindestens an einem Tag in der Woche muss das Essensangebot rein vegetarisch sein, insgesamt soll der Fleischkonsum so weit wie möglich reduziert werden.

Funktioniert das in der Praxis?

Alle Pläne und Wünsche sind in Richtung Nachhaltigkeit sind ja schön und gut, aber werden sie auch bei aktuellen Film- und TV Produktionen umgesetzt? Die ganz großen der Branche wie die ARD, ZDF, Bavaria Film, ProSiebenSat.1 und auch Netflix sind schon mal dabei und halten sich an die Mindeststandards. Der Südwestrundfunk (SWR), legt für sich etwa fest:

“Wir verpflichten uns und unsere Produzent*innen, ab dem Jahr 2022 sämtliche fiktionalen Produktionen nach ökologischen Mindeststandards umzusetzen – das gilt sowohl für Eigen- als auch für Auftrags- und Koproduktionen.”

Der SWR hat auch gemeinsam mit der MFG Filmförderung Baden-Württemberg einen CO2 Online-Rechner entwickelt, der inzwischen in der ganzen Branche genutzt wird. Das praktische daran: Filmproduktionen können mit ihrer K alkulation schon vorab den CO2 Fußabdruck berechnen, den sie hinterlassen werden. So können sie Projekte auch in der frühen Phase noch eventuell anpassen, sollte der CO2 Verbrauch zu hoch sein.

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👀 Quellen

cinemablend.com
Green Motion
swr.de
Greenshooting
dff - Deutsches Filminstitut Filmmuseum
taz.de
Daily Mail

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